Info
Die Pleuellagerschalen sind bei den Motoren einer der Gründe für mangelnden Öldruck, schlagende Geräusche und später den Motorschaden aufgrund mangelnder Schmierung oder festgefressener Lager.
Wenn man erkannt hat, das die Pleuellagerschalen bei seinem Motor langsam das Zeitliche segnen, ist das kein Grund für einen teuren Werkstattbesuch.
Das kann man auch gut selbst erledigen. (Ich habe das bei 10°C vor der Garage auf Auffahrrampen gemacht, weil es halt eilig war )
Werkzeug
Man benötigt folgendes:
- Knarrenkasten, 1/4 und 1/2 Zoll
- eine 19er Vielzahn-Nuss (zum Drehen der KW)
- einen Drehmomentschlüssel im Bereich von 30Nm
- einen Eimer für das Öl
- eine neue Ölwannendichtung (falls es noch die Papierdichtung ist)
- Lappen oder ähnlichen Kram zum Öl aufnehmen
- die neuen Lagerschalen (8 Stück, sollte man bei VW holen, kosten da um die 40-45 Euro)
- evtl. neue Pleuelschrauben (Austausch nicht zwingend vorgeschrieben, ist auch umständlich)
- Motivation und etwas Geschick
Vorarbeiten
Zunächst muss der Wagen in die passende Arbeitlage gebracht werden, entweder auf die Rampen oder auf die Bühne.
Vor dem Abschrauben der Ölwanne sollte das Öl abgelassen werden, wobei man sich auch ziemlich Zeit lassen kann, damit das Öl aus dem Block in die Wanne läuft.
Je weniger Öl im Block hängenbleibt, desto sauberer geht man selbst aus der Aktion heraus.
Um die Ölwanne abzunehmen müssen lediglich die 10er-Schrauben am Ölwannenrand gelöst werden. 4 Stück liegen hinter der Blechabdeckung, die am Getriebe sitzt. Da kann es sein, dass man dort schlecht drankommt, aber mit Verlängerungen der 1/4 Zoll-Knarre und einem Gelenk geht es.
Wenn die Ölwanne abgenommen ist, kann man die Ölpumpe mit der daran befestigten Schwallsperre sehen.
Die Schwallsprerre muss auf jeden Fall weg, die Pumpe nicht unbedingt, aber es erleichtert die Arbeit.
Diese ist nur mit 2 13er-Schrauben befestigt.
Lagerschalen austauschen
Danach hat man freien Blick von unten auf die Kurbelwelle und die Pleuel sowie deren Lager.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man am Besten an den Pleuellagern arbeiten kann, wenn man die betreffenden Pleuel auf ca. 35° vor oder nach UT dreht.
Nun kann man zwei der vier Lager aufschrauben. Unbedingt merken, wie die Lagerdeckel saßen!
Man sollte vor dem Einbau der neuen Lagerschalen die KW kontrollieren, ob dort Riefen zu sehen sind. Dann ist die KW ein Fall für den Motoren-Instandsetzer.
Wenn der Lagerdeckel abgenommen ist, kann man in dem Deckel die erste Schale schon ersetzen.
Um an das Lager im Pleuel zu kommen, muss das Pleuel mit dem Kolben so weit nach oben geschoben werden, bis man den Pleuel über den Kurbelwellenzapfen zur Seite schwenken kann.
(Hierfür empfiehlt es sich teilweise, vorher die Zündkerzen herauszuschrauben, sonst muss man gegen die Kompression im Zylinder andrücken.)
Wenn der Pleuel zur Seite geschwenkt wurde, darf man den Kolben nicht zu weit herausziehen, sonst hat man ein ganz, ganz großes Problem.
Bei dem Einsetzen der Lagerschalen ist darauf zu achten, dass die Schalen vorher ein wenig aufgebogen werden, so dass sie stramm im Lager sitzen.
Die Lagerschalen unbedingt ölen, sonst laufen die den ersten Moment trocken.
Wenn der Pleuel wieder auf der Kurbelwelle sitzt, kann der Lagerdeckel wieder aufgesetzt und die Muttern angezogen werden.
Das Drehmoment hierfür beträgt 30Nm+90°.
Das Pleuellager des anderen Zylinders wird genau so behandelt.
Danach muss die KW um 180° gedreht werden, damit man an die beiden anderen Lager kommen kann und das gleiche Spiel geht von vorne los.
Wenn die Lagerschalen ausgetauscht sind, muss nur die Ölpumpe wieder eingebaut werden, die Schwallsperre eingesetzt und die Ölwanne angeschraubt werden.
Nachdem das Öl eingefüllt wurde, habe ich den Motor per Hand einige Umdrehungen durchgedreht, damit die teilweise trockengelaufenen Kanäle wieder mit Öl gefüllt werden, bevor ich den Motor anlasse.
Ob das nötig war, weiß ich nicht, aber wenn ich Lagerschalen schon tausche, müssen die nicht direkt das erste Mal ohne Öl laufen. ![]()
Nach einigen Tagen kann man kontrollieren, ob die Ölwanne genauso dicht ist wie vorher.